Seit Emily May (12 Jahre) vor rund sechs Jahren den Film „The Short Game“ gesehen hatte, der die U.S. Kids Golf Weltmeisterschaft porträtiert, stand für die Würzburger Nachwuchsgolferin fest: Eines Tages wollte sie selbst bei diesem Turnier in Pinehurst, USA, dabei sein.

Jahr für Jahr scheiterte Emily allerdings knapp an der Qualifikationshürde. 2026 war es schließlich so weit: Die ersehnte Einladung zur Weltmeisterschaft flatterte ins Haus. Von ihrer Teilnahme erfuhr Emily ausgerechnet in der Schule. Der Direktor des Siebold-Gymnasiums verkündete die Nachricht über die Schuldurchsage. Emilys spontane Reaktion wurde auf ihrem Instagram Kanal emilymay_golfergirl veröffentlicht – und ging prompt viral. Das Video wurde inzwischen von fast einer Million Menschen gesehen.

Ende Juli machte sich Emily gemeinsam mit ihrer Familie auf den Weg nach Pinehurst, einem der bedeutendsten Golfzentren der USA. Auf dem dortigen Pinehurst Resort, das insgesamt acht Golfplätze umfasst, wurde unter anderem 2014 die U.S. Open auf Pinehurst No. 2 ausgetragen – damals gewann der Deutsche Martin Kaymer. Emilys Altersklasse, Girls 12, spielte ihre Weltmeisterschaft auf dem Platz Pinehurst No. 5.

Zwischen Vorfreude und Weltklasse

Drei Tage vor dem eigentlichen Turnierstart nahm Emily gemeinsam mit ihrem Vater und Caddie Götz Schmiedehausen am traditionellen Parent/Child-Turnier teil. Anschließend standen zwei Practice Rounds auf dem Programm – bei Temperaturen von mehr als 30 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit.

Am ersten Proberundentag spielte Emily eher zufällig mit zwei der besten Golferinnen ihrer Altersklasse: der amtierenden Vize-Weltmeisterin Nora Shelor und deren Freundin Elianna Grace. Beide sollten im anschließenden Turnier – wie bereits im Vorjahr – erneut die Plätze zwei und drei belegen.

Für Emily und ihren „Daddy-Caddie“ war es beeindruckend zu beobachten, was diese Ausnahmetalente mit dem Golfball anstellen konnten. Gleichzeitig wurde dabei deutlich, wie hoch die sportliche Messlatte bei einer Weltmeisterschaft liegt. Das deutsche Team war in erster Linie angetreten, um Erfahrungen zu sammeln – um die Titel und Pokale kämpften andere.

Ein starker Auftakt

Am ersten Turniertag ging Emily hochkonzentriert an den Start und spielte mit 80 Schlägen eine für sie hervorragende Runde. Die Länge des Platzes unterschied sich zwar kaum von den roten Abschlägen im Golf Club Würzburg, einige Par 4- und Par-5 Bahnen bewegten sich allerdings am oberen Ende der Skala. Schließlich handelte es sich um eine Weltmeisterschaft.

Eine besondere Herausforderung waren die extrem schnellen Grüns. Mit einem Wert von 12,5 auf dem Stimpmeter waren sie deutlich schneller als alles, was Emily aus heimischen Gefilden gewohnt war. Zahlreiche Dreiputts und zu lange Chips verhinderten einen noch besseren Score.

Trotzdem schrieb Emily mit ihrer Auftaktrunde ein kleines persönliches Kapitel Golfgeschichte: Erstmals in ihrer jungen Karriere blieb sie ohne Double Bogey. Mit 80 Schlägen belegte sie nach dem ersten Tag Rang 79 unter 120 Teilnehmerinnen in ihrer Kategorie. Dabei war Emily mit dem niedrigsten Skill-Level aller qualifizierten Spielerinnen angetreten. Ihr persönliches Ziel für die Weltmeisterschaft war deshalb bewusst bescheiden: Spaß haben, dabei sein – und möglichst nicht Letzte werden.

Lehrgeld auf den zweiten neun Löchern

Am zweiten Turniertag musste Emily dann allerdings Lehrgeld bezahlen, insbesondere auf den zweiten neun Löchern. Nach neun Bahnen lag sie lediglich drei Schläge über Par, doch danach riss der Faden.

Ein Rookie-Fehler machte sich bemerkbar: Zwischen den beiden Practice Rounds und dem Turnier hatte Emilys Team keinen echten Ruhetag eingelegt. Dazu kamen Jetlag und die tropischen Bedingungen. Während sie am ersten Tag noch 14 von 18 Grüns getroffen und sämtliche Fairways gefunden hatte, streute sie nun deutlich mehr.

Der anspruchsvolle Pinehurst-Kurs verzieh diese Fehler nicht. Allein auf den Back Nine kassierte Emily zehn Schläge über Par und kehrte mit für sie enttäuschenden 85 Schlägen ins Clubhaus zurück.

Wenn selbst gutes Golf nicht mehr reicht

Am dritten Tag zeigte die Formkurve im langen Spiel wieder nach oben. Dafür fehlte es nun ausgerechnet in den Bereichen, die maximale Konzentration verlangen: im Kurzspiel und beim Putten.

Zunehmend frustriert kämpfte Emily mit den extrem ondulierten und mittlerweile mehr als 13 Stimpmeter schnellen Grüns. Dabei traf sie erneut sämtliche Fairways und die meisten Grüns in Regulation. Doch die Finalfahnen waren so anspruchsvoll gesteckt, dass lange Putts kaum ohne Dreiputts auf den Grüns zu bewältigen waren. Mit 89 Schlägen blieb Emily am Ende deutlich unter ihren eigenen Erwartungen und verpasste knapp die Top 100 mit Rang 104.

Ein wichtiger Meilenstein

Mit etwas Abstand fällt Emilys Fazit sehr positiv aus. Die Teilnahme an der U.S. Kids Golf Weltmeisterschaft verbucht sie als großen Erfolg und wichtigen Meilenstein ihrer noch jungen Golfkarriere.
Vor allem hat sie in Pinehurst viel gelernt – nicht nur über Golf. Emily weiß nun, dass sie großen Spaß an ihrem Sport hat, ihr Leben aber nicht vollständig darauf ausrichten möchte.

Beeindruckt hat sie vor allem die Möglichkeit, mit den weltbesten Zwölfjährigen auf einem Platz zu stehen und sich mit Spielerinnen zu messen, die möglicherweise schon bald auf der LPGA Tour für Furore sorgen werden.
Wie hoch die Bedeutung der U.S. Kids Golf Serie für die spätere Weltelite ist, zeigt ein Blick auf die Weltranglisten: Annähernd die Hälfte der aktuellen Top 100 der Damen- und Herren-Weltrangliste hat bereits an Turnieren der U.S. Kids Golf Serie teilgenommen. Zu den ehemaligen Teilnehmern zählen unter anderem Masters-Sieger und Weltranglistenerster Scottie Scheffler sowie Lexi Thompson, die 2003 und 2004 die U.S. Kids Golf Weltmeisterschaft gewann.

Für Emily war die Reise nach Pinehurst damit weit mehr als nur ein Turnier. Sie durfte einen Traum verwirklichen, wertvolle Erfahrungen sammeln und einen Blick auf die mögliche Zukunft des Golfsports werfen.

Chance auf Pinehurst 2027 in Würzburg

Die nächste Gelegenheit für junge Golferinnen und Golfer aus der Region bietet sich bereits am 24. Oktober: Dann macht die U.S. Kids Golf Herbst Tour zum Saisonfinale im Golf Club Würzburg Station.

Nachwuchsspielerinnen und -spieler im Alter von sechs bis 18 Jahren haben dort die Möglichkeit, sich mit einem entsprechenden Score innerhalb der Tour für die U.S. Kids Golf Weltmeisterschaft 2027 in Pinehurst zu qualifizieren.

Vielleicht beginnt dort für den einen oder die andere der gleiche Traum, den Emily vor sechs Jahren beim Anschauen von „The Short Game“ hatte.

Alle Infos zur U.S. Kids Golf Nuremberg Tour finden Sie HIER!