Vor drei Jahren entschied sich der Golf Club Würzburg ganz bewusst dafür, in die Zukunft seiner Damenmannschaft zu investieren. Das Ziel war nicht nur, die Ergebnisse von Saison zu Saison zu verbessern, sondern einen breiteren Kader aufzubauen, junge Talente zu fördern, echten Teamgeist zu entwickeln und langfristig den Aufstieg in die 2. Bundesliga zu schaffen.
Am Sonntag im Golf Club Lauterhofen wurde diese Vision Wirklichkeit.
Der hervorragend präparierte Platz bot die perfekte Bühne für den letzten Spieltag der Saison. Trotz des trockenen Sommers präsentierten sich Fairways und Grüns in ausgezeichnetem Zustand. Eingebettet in ein Tal unterhalb des Clubhauses verlangte der Platz den Spielerinnen strategisches Denken, präzise Schläge und vor allem Geduld ab – Eigenschaften, die an diesem Tag den Unterschied ausmachen sollten.
Die Ausgangslage war klar: Nach vier erfolgreichen Spieltagen hatte Würzburg den Aufstieg in der eigenen Hand. Würde man den direkten Konkurrenten Rheintal hinter sich lassen, wären der Meistertitel in der Regionalliga und damit der Aufstieg in die 2. Bundesliga perfekt.
Dass dabei Nervosität eine Rolle spielte, war kaum überraschend.
Der Start verlief alles andere als ideal. Als die ersten Ergebnisse im Live-Scoring erschienen, lag Würzburg zwischenzeitlich sogar auf dem fünften Platz. Aufgrund der schlechten Mobilfunkverbindung auf großen Teilen des Platzes war das Live-Scoring allerdings nur eingeschränkt aussagekräftig. Zudem ist Golf kein Sport, in dem während der Runde auf Tabellen reagiert wird. Entscheidend war, dem eigenen Spielplan zu vertrauen und sich auf den nächsten Schlag zu konzentrieren.
Mit zunehmender Dauer setzte sich die Erfahrung durch. Unterstützt von ihren Caddies und begleitet von Mannschaftskapitän auf Zeit sowie PGA-Professional Julien Froidenfond fand das Team immer besser in den Rhythmus und arbeitete sich Schritt für Schritt nach vorne.
Der Platz bot dabei sowohl Herausforderungen als auch Chancen. Die zweite Bahn erwies sich als eine der schwierigsten des Tages, während das erreichbare Par 5 an Bahn 6 mehrere wichtige Birdies für Würzburg brachte. Auch die neunte Bahn bot Angriffsmöglichkeiten. Dort fehlte Matilda Schwarz nur wenige Zentimeter zu einem ganz besonderen Moment: Ihr Schlag ins Grün traf den Flaggenstock, verschwand für einen Augenblick im Loch und sprang anschließend wieder heraus. Statt eines Eagles blieb „nur“ ein Birdie – dennoch einer der spektakulärsten Momente des Tages.
Angeführt wurde Würzburg einmal mehr von Theresa de Bochdanovits mit einer herausragenden 73er-Runde (+1). Unterstützt wurde sie von Luisa Deutzmann (80), Emma Stock (82), Matilda Schwarz (83) und Laura Lößlein (87), während Emma Kanzlers 88 als Streichergebnis aus der Wertung fiel. Damit lag Würzburg nach den Einzeln mit +45 bereits zwölf Schläge vor Rheintal (+57). Thüringen und Herzogenaurach folgten mit jeweils +58, Gastgeber Lauterhofen mit +68.
Die Vierer waren während der gesamten Saison eine der großen Stärken der Würzburgerinnen – und auch am entscheidenden Spieltag lieferten sie erneut ab.
Als erstes gingen Emma Kanzler und Catharina Dresler auf die Runde. Nach einem enttäuschenden Einzel zeigte Emma eine beeindruckende Reaktion und spielte gemeinsam mit Catharina eine starke 79 (+7). Zwei Birdies bei gleichzeitig konsequenter Vermeidung der spielentscheidenden Doppel- und Triplebogeys sorgten für genau den ruhigen Auftakt, den Würzburg am Nachmittag benötigte.
Es folgten Laura Lößlein und Luisa Deutzmann. Auch wenn ihr Ergebnis am Ende nicht in die Mannschaftswertung einging, trugen sie entscheidend dazu bei, den Druck auf die Konkurrenz aufrechtzuerhalten und Rheintal nie die Möglichkeit zu geben, das Momentum auf seine Seite zu ziehen.
Den Abschluss bildeten Theresa de Bochdanovits und Emma Stock, die ihre Schlusslöcher vor einer Galerie von rund fünfzig Zuschauern absolvierten. Trotz eines frühen Doppelbogeys an Bahn 2 spielten sie ihre ganze Routine aus. Mit einer hervorragenden 76 (+4) rundeten sie einen weiteren starken Vierer-Nachmittag ab und brachten den Aufstieg sicher nach Hause.
Mit insgesamt +56 gewann Würzburg den letzten Spieltag schließlich souverän vor Rheintal (+79), Thüringen (+85), Herzogenaurach (+90) und Lauterhofen (+92).
Doch selbst nachdem der letzte Putt gefallen war, wurde zunächst noch nicht gejubelt.
Im Golfsport ist ein Ergebnis erst dann offiziell, wenn alle Scorekarten kontrolliert, alle Regelfragen geklärt und das Turnier von der Spielleitung freigegeben wurde. Die Würzburger Spielerinnen versammelten sich daher zunächst ruhig am Clubhaus und warteten – auch aus Respekt vor den noch auf dem Platz befindlichen Flights. Erst als die endgültige Bestätigung kam, brachen alle Emotionen hervor.
Freudentränen, aber wohl auch eine gehörige Portion Erleichterung nach Monaten harter Arbeit bestimmten die ersten Momente. Es folgten Mannschaftsfotos, ein wohlverdientes Glas Prosecco und gemeinsame Feierlichkeiten mit Familien, Freunden, Unterstützern, Mitgliedern des Präsidiums und zahlreichen mitgereisten Clubmitgliedern. Für die Spielerinnen und Julien ging die Feier anschließend auf der Rückfahrt nach Würzburg noch lange weiter.
Mit diesem Erfolg krönte die Mannschaft eine außergewöhnliche Saison. Mit 24 von 25 möglichen Ligapunkten, vier Tagessiegen und einem zweiten Platz sicherte sich Würzburg verdient den Aufstieg. Dieser Erfolg ist jedoch weit mehr als das Ergebnis eines einzigen Spieltags. Er ist der sichtbare Lohn von drei Jahren konsequenter Arbeit hinter den Kulissen.
Vor drei Jahren war es häufig schon eine Herausforderung, überhaupt eine vollständige Mannschaft stellen zu können. Jede verfügbare Spielerin wurde benötigt, und immer wieder sprangen Spielerinnen der AK50-Damen ein, damit Würzburg überhaupt antreten konnte. Heute hat sich das Bild grundlegend verändert. Neue Spielerinnen konnten für den Club gewonnen werden, Talente wie Matilda Schwarz und Emilia Holl schafften den Sprung aus der Jugend in die Damenmannschaft und erstmals konnten in dieser Saison Spielerinnen trotz guter Leistungen nicht für die Spieltage nominiert werden.
Besonders bemerkenswert war jedoch ihre Reaktion. Anstatt sich zurückzuziehen, blieben sie Teil der Mannschaft, unterstützten ihre Teamkolleginnen als Caddies, reisten zu den Auswärtsspielen mit und feierten jeden Erfolg gemeinsam. Genau dieser Zusammenhalt ist heute eines der größten Markenzeichen der Würzburger Damenmannschaft – und mindestens genauso wichtig wie jedes Ergebnis auf der Scorekarte.
Erfolg im Mannschaftssport entsteht zudem nie allein auf dem Golfplatz. Hinter jedem Spieltag stehen Trainer, Familien, Partner, Caddies, Ehrenamtliche, das Sekretariat, das Präsidium und viele weitere Menschen, die oft im Hintergrund arbeiten und ihren Beitrag leisten. Sie alle haben mitgeholfen, ein Umfeld zu schaffen, in dem sich diese Mannschaft entwickeln konnte.
Mit dem Aufstieg beginnt nun das nächste Kapitel. Als eine der 30 besten Damenmannschaften Deutschlands wird die Damenmannschaft des Golf Club Würzburg in der kommenden Saison erstmals in ihrer Geschichte in der 2. Bundesliga antreten. Das Ziel ist nun, sich dort nachhaltig zu etablieren, die jungen Spielerinnen weiterzuentwickeln und die Grundlage für eine erfolgreiche Zukunft zu schaffen.
Jetzt darf die Planung jedoch erst einmal ruhen. Spielerinnen, Trainer, Caddies, Unterstützer und alle, die Teil dieser außergewöhnlichen Reise waren, haben sich eine Woche verdient, um diesen historischen Erfolg zu feiern. Danach beginnt die Arbeit für das nächste Kapitel – die 2. Bundesliga.
Jim Stock
Captain Damenmannschaft










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